Liturgische Gesänge der byzantinischen Kirche

ByzantinischeMusik1

Liturgische Gesänge der byzantinischen Kirche

Byzantinische Musik: Allgemeine Einführung

Unter byzantinischer Musik versteht man Musik des byzantinischen Reiches von der GründungKonstantinopels im frühen 4. Jh. bis zur Eroberung der Stadt durch die Osmanen im Jahre 1453.Über Geschichte und Kulturgeschichte einer Epoche lässt sich außerhalb einer durch schriftlicheoder andere Quellen gesicherten Überlieferung nichts Sicheres sagen. Erst recht gilt das für dieMusikgeschichte. Der Musikhistoriker befindet sich in einer besonderen Situation, denn, werrückblickend ein reales Klanggeschehen, wie es ein musikalische Ereignis ist, betrachten will,kann nur indirekt darüber sprechen. Musik ist ein klingendes Ereignis, das im Augenblick desErklingens schon wieder Vergangenheit ist. Das eigentliche Klangereignis geht uns, wenn wirnicht Aufzeichnungen technischer Geräte haben, für immer verloren. Schriftliche Zeugnisse, dieüber Musik verfasst werden, versuchen entweder, ein musikalisches Ereignis aufzuzeichnen,meist zu dem Zweck, es wiederholbar zu machen (Notation), oder sie berichten uns beschreibendüber ein musikalisches Ereignis oder eine musikalische Praxis.1 Aufgezeichnet wird nur das, wasdem, der aufzeichnet, genügend wichtig erscheint. Zudem hat man Musik sparsam in einer Zeitaufgeschrieben, in welcher ein Beschreibstoff (Pergament, Papier) nur mühevoll und inbegrenzter Menge hergestellt werden konnte.Was bedeutet Mittelalter in der Musik? Der Begriff „Mittelalter“ 2 ist zunächst einausschließender. Als die Humanisten im 14. und 15. Jahrhundert die Antike wiederentdeckten, gebrauchten sie für den Zeitraum zwischen Antike und der Neuzeit den Begriff„medium aevum“ oder auf deutsch „Mittelalter“. Daraus wird einerseits deutlich, dass es sichbei diesem Begriff nicht um einen einheitlichen Zeitabschnitt handelt, und andererseits, dasseine Schwierigkeit besteht, das Mittelalter gegenüber der Antike und der Neuzeitabzugrenzen. So ist der Zeitpunkt 476, das Jahr der Absetzung des letzten weströmischenKaisers Romulus Augustulus, mit dem das Weströmische Reich zu Ende ging, eine reinwillkürliche Grenze zwischen Spätantike und frühem Mittelalter. Für die Musikgeschichte alssolche ist sie nicht relevant, denn die Frage, wann das Mittelalter begonnen hat, ist für dieMusikforschung von untergeordneter Bedeutung. Wie für den Beginn gibt es auch für dasEnde des Mittelalters keine eigentliche Grenze. Daten, wie der Untergang des ByzantinischenReiches 1453 oder das Jahr der Entdeckung Amerikas 1492 mögen zwar einschneidendegeschichtliche Daten sein, sind aber gerade für die Musikgeschichte völlig unbrauchbar.Die frühen uns erhaltenen musikalischen Quellen aus dem byzantinischen Reich sindausnahmslos Gesänge aus der christlichen Liturgie. Nur indirekte Angaben gibt es über dasHofzermoniell, so im Zeremonienbuch des Kaisers Konstantin VII. Porphyrogennetos (905-959).Es gab verschiedene Blas- und Streichinstrumente, u.a. auch die Orgel, die beim Hofzeremonielleine wichtige Rolle spielte, nicht aber in der liturgischen Musik, wo der Gebrauch vonInstrumenten nicht gestattet ist. Dass der byzantinische Kaiser dem Frankenkönig Pippin im Jahr757 eine Orgel sandte, bedeutete, dass er den König als gleichberechtigten Herrscher desehemaligen weströmischen Reiches anerkannte.1 So ist überliefert, dass in der Hagia Sophia während des Gottesdienstes Glocken geläutet wurden.2 Als einführende Literatur zu diesem Themenkomplex sei hingewiesen auf: Hartmut Boockmann, Einführung in dieGeschichte des Mittelalters, 4. Aufl. München 1988.Musik und LiturgieLiturgische Musik ist immer Teil eines größeren Ganzen. Es ist Musik aus einer Zeit, in derchristlicher Glaube und Kultur eine Symbiose, ja geradezu eine Einheit bildeten. Diese zeigt sichvor allem in den Gottesdiensten, bzw. der Feier der Liturgie. Unter Liturgie verstehen wir allegottesdienstlichen Handlungen der Kirche3. Die Gottesdienstfeier manifestiert sich in derGemeinschaft durch einen bestimmten Ritus. Das ist die überlieferte und wiederholbare Art undWeise, in der ein Gottesdienst gefeiert wird, also die verbindlichen tradierten gottesdienstlichenFormen und Bräuche. Zum Ritus gehören festgelegte Handlungen wie Worte (Gebete),Gebärden, Körperhaltungen und Kleidung ebenso, wie bestimmte Festzeiten im Laufe des Jahresund Feiern zu wichtigen Lebenseinschnitten wie Geburt, Initiationen, Hochzeit und Tod. Ebensogehören zum Ritus festgelegte Gesänge, die entweder eine Handlung begleiten oder ihrerseitseine selbständige Handlung darstellen. Diese Gesänge können daher nicht isoliert von derLiturgie, sondern nur in deren Zusammenhang verstanden und behandelt werden. DieZusammenstellung und der Aufbau eines liturgischen Ritus ist eine schöpferische und kulturelleLeistung eines einzelnen oder einer Gruppe, die auch zur Identifikation bzw. zumSelbstverständnis einer Gemeinschaft beiträgt. Äußerer Ausdruck sind liturgische Zeremonienund Formvorschriften, die ihrerseits mündlich oder schriftlich tradiert werden.Der byzantinische RitusDer byzantinische Ritus hat sich bis zum 7. Jh. im Orient neben dem ägyptischen und syrischenRitus herausgebildet. Sein Einfluss reichte bis nach Spanien (6. Jh.), den Nordosten und SüdenItaliens (wo es noch heute byzantinische Enklaven gibt). Der Ritus dominierte den NordostenAfrikas (Patriarchat von Alexandrien, ganz Griechenland und Palästina (Patriarchat vonJerusalem) und den Großteil des christlichen Nahen Ostens (Patriarchat von Alexandrien) underfasste schließlich ganz Russland und andere südlich und westlich daran anschließendeslawische Länder.4Die byzantinische Kirche definiert sich mehr als die abendländische Kirche durch ihren Ritus.Dieser Ritus schöpft seine Kraft aus dem Bereich der Symbole. Die rituellen Zeremonien stehennicht für sich selbst, sondern erlangen eine übergeordnete Bedeutung. Sie sind Ausdrucksmittelfür etwas, das auf sprachlicher Ebene allein nicht zum Ausdruck gebracht werden kann. DiesesBewusstsein wird in der Nestorchronik deutlich, die um das Jahr 1113 im Kiever Höhlenklosterentstanden ist. Sie berichtet über die Christianisierung der Kiewer Rus. Dem zufolge hatte FürstVladimir eine Gesandtschaft ausgeschickt um herauszufinden, welchen Glauben er und sein Volkannehmen sollte: den jüdischen oder den islamischen Glauben, das lateinische oder dasbyzantinische Christentum. Die Gesandtschaft berichtete dem Fürsten von einem Gottesdienstaus Konstatinopel: “Und so kamen wir zu den Griechen, und sie führten uns dahin, wo sie ihremGott dienen, und wir wissen nicht, waren wir im Himmel oder auf der Erde; denn auf Erden gibtes einen solchen Anblick nicht oder eine solche Schönheit; und wir vermögen es nicht zubeschreiben. Nur das wissen wir, dass dort Gott bei den Menschen weilt. Und ihr Gottesdienst ist3 Die Ostkirche jedoch versteht unter „Liturgie“ die „Messe“ der Westkirche (siehe unten).4 Von den orthodoxen Kirchen sind die unierten Kirchen zu unterscheiden. Unierte Kirchen sind Gemeinschaften, diezwar die Gottesdienste im byzantinischen Ritus feiern, aber mit der römischen Kirche vereinigt (uniert) sind.besser als der aller (anderen) Länder. Wir aber können jene Schönheit nicht vergessen; denn jederMensch, wenn er von Süßem gekostet hat, nimmt danach Bitteres nicht an.”5Aufbau des byzantinischen Gottesdienstes1. LiturgieDer Hauptgottesdienst oder Eucharistische Gottesdienst, im römischen Ritus die „Messe“, heißthier „Göttliche Liturgie“ (griechisch: theía leitourgía, slawisch: liturgija ) und stimmt in denGrundelementen (1. Teil: Wortgottesdienst, 2. Teil: die eigentliche Eucharistiefeier) mit denanderen antiken christlichen Riten überein. Der Begriff „Liturgie“ wird in der Ostkirche nur fürdie „Messe“ gebraucht. Man unterscheidet:ChrysostomusliturgieDie häufigste Liturgieform, benannt nach dem hl. JohannesChrysostomus (um 349 – 407). Auf ihn geht dieÜberarbeitung der Anaphora (Darbringung von Brot undWein mit dem Eucharistischen Hochgebet) und der zentralenPriestergebete in deren Umkreis zurück.Basiliusliturgiewird heute nur mehr an wenigen Tagen im Jahr gefeiert, istbenannt nach dem Kirchenlehrer Basilius dem Großen (†379), auf den die Anaphora zurückgehen dürfte.

(Greek, ànaphorá, offering, sacrifice).

A liturgical term in the Greek Rite. It is variously used in the liturgies of the Greek Orient to signify that part of the service which corresponds substantially to the Latin Canon of the Mass. It also signifies the offering of Eucharistic bread; the large veil (see AER) that covers the same, and the procession in which the offering is brought to the altar (Brightman).

1. In the Greek Rite the Anaphoras are numerous while in the Roman Rite the Canon of the Mass is from time immemorial quite invariable. The Greek Anaphora is substantially of apostolic origin, though in its present form it dates from the end of the fourth or the beginning of the fifth century when St. Basil the Great and St. John Chrysostom (respectively) shortened the liturgy that until then was very long and fatiguing. The term is of much importance, given its antiquity, for the demonstration of the sacrificial character of the Holy Mass (see Cabrol, 1911-13; Probst, 240, 325).

2. In the Eastern or Greek Church the Offertory is a more deliberate and impressive ceremony than in the Roman Rite. The priest accompanied by the deacon and the acolytes and censer-bearers, goes to the prothesis (a small side altar where the proskomide is performed) and they solemnly bring the blessed bread and wine through the small diaconal door of the iconostasis and proceed to the centre of the church or at least directly in front of the royal doors, where, turning to the people and holding the sacred gifts in their hands they pray successively for the ecclesiastical and secular authorities. In the Greek Orthodox Church prayers are said for the emperor or king, the Holy Synod, and the various church dignitaries. In the Greek Catholic Church these prayers are said for the Pope, the Archbishop, Emperor, King, etc., using the same words. The priest and deacon then proceed solemnly to the altar bearing the Sacred Elements through the royal doors. This part of the Gree Mass is called the Great Entrance. After the paten and chalice have been placed on the altar the priest completes the Offertory with this prayer: “Receive also the prayer of us sinners and cause it to approach Thy Holy Altar, and strengthen us to present gifts and spiritual sacrifices unto Thee for our sins and the ignorances of the people, and count us worthy to find grace before Thee; that our sacrifice may be acceptable unto Thee; and that the spirit of Thy grace may rest upon us and upon these gifts presented, and upon all Thy people“.

Von derChrysostomusliturgie unterscheidet sie sich nur durch einigePriestergebete.Liturgiean bestimmten Tagen der Fastenzeit. Sie ist eigentlich eineder vorgeweihten Gaben Vesper mit anschließender Kommunionfeier, an der die ineiner Liturgiefeier bereits konsekrierten Gaben gereichtwerden, da in dieser Periode des Kirchenjahres die Liturgienur an Sonn- und Feiertagen gefeiert wird.Die Gestaltung des Gesangsrepertoires unterscheidet sich in den verschiedenen Liturgien nicht wesentlich.5 P. Hauptmann / G. Strincker (Hg.), Die orthodoxe Kirche in Rußland. Dokumente ihrer Geschichte (860-1980),Göttingen 1988, 57-69, 62f. Zitiert nach Kallis.Page 5Aufbau der Liturgie:Vorbereitung auf die Liturgie (keine Gesänge)Liturgie der KatechumenenEinleitungsdoxologieGroße Ektenie oder FriedensektenieErste Antiphon, kleine EktenieZweite Antiphon, kleine EktenieDritte Antiphon oder SeligpreisungenKleiner Einzug mit dem Evangelienbuch, EinzugsliedTroparien, Kondakien, TrishagionProkimenon, LesungAllelujaEvangeliumInständige Ektenie, Gebet und Entlassung der KatechumenenLiturgie der GläubigenGroßer Einzug mit den heiligen Gaben,Cherubinischer Hymnus (Cherubikon)BittektenieFriedensgrußGlaubensbekenntnisAnaphoraDialog zur EinführungAnaphoragebet (entspricht der Präfation)SanctusEinsetzungsbericht, Anamnese, Epiklese, Fürbitten, Abschluss.Vorbereitung auf die KommunionEktenie der Büßer und KommunikantenVater unserBrotbrechungKommunionKommuniongesangSegenEktenie und Gebete nach der KommunionEntlassung und Schlussegen2. StundengebetNeben der Göttlichen Liturgie gibt es das Stundengebet (Offizium, Tagzeitengebet). Hier hatdas Repertoire der wechselnden Gesänge eine größere Bedeutung.Vespergriechisch esperinós; slawisch vecernja. Abendgebet. Mit derVesper beginnt der liturgische Tag.Orthrosgr. órthros, sl. utrenja. Morgengebet.Neben diesen beiden großen Horen (Gebetsstunden) gibt es – zumal in den Klöstern – nochdie kleinen Horen, die über die verschiedenen Tageszeiten verteilt sind:Prim (zur ersten Stunde des Tages = ca. 6 Uhr morgens), Terz (zur dritten Stunde des Tages= 9 Uhr), Sext (ca. 12 Uhr), Non (ca. 15 Uhr), Apodipnon (nach dem Abendessen),Mesonyktikon (Gebet um Mitternacht).Aufbau der Vesper:EingangssegenEingangspsalm 103Große Ektenie oder FriedensekteniePsalterkathisma (wird außerhalb von Klosterkirchen meistens übergangen oder gekürzt)Luzernariumspsalmen: Ps. 140, 141, 129, 116 mit StichirenEingangsprozession mit Abendhymnus „Heiteres Licht …“Prokimenon, LesungenEktenien, Abendgebete, evt. Litia (Fürbittgebet)ApostichaLobgesang des Simeon („Nun lässt Du Herr Deinen Knecht … Lk. 2,29-32)Apolytíkia und AbschlussgebeteAufbau des Orthros1. Teil: Nächstliches PsalmengebetHexapsalm Sechs Eingangspsalmen PS. 3, 38, 63, 88, 103, 143.Große Ektenie oder FriedensektenieTagestroparPsalmodie, am Sonntag mit Auferstehungs-Evlogitaria (Lobpreisungen)Anavathmí (Stufengesänge, Gradualpsalmen): Auszüge aus den Psalmen 119-133.Morgenevangelium mit ProkimenonPsalm 50 (Bußpsalm „Erbarme dich meiner, o Gott“)2. Teil: Oden mit Kanones der OdenAn Sonntagen abgeschlossen durch die Exapostilaria (Auferstehungstroparia)3. Teil: MorgenlobLobpsalmen Ps. 148-150 mit StichirenDoxologie („Gloria“ der römischen Kirche mit Erweiterungen)Troparien, Ektenien, Entlassung.Die wichtigsten Gesänge:TroparionEine poetische StropheIdiómelonTroparion mit eigener MelodieProsómoionTroparien nach einer bereits vorhandenen MelodieApolytíkionTroparion zur Entlassung am Ende des GottesdienstesStichosVers aus der Hl. Schrift, v. a. PsalmversStichirònEin Troparion, das zwischen Psalmverse eingefügt ist.DoxastikónStichiron zu Ehren der Dreifaltikeit nach dem Vers „Ehre sei dem Vater …“TheotokíonTropar zur GottesmutterApóstichaStichiren, die am Ende des Gottesdienstes Verse aus der hl. Schriftumrahmen.KáthismaAbschnitt eines Gottesdienstes, währenddessen man sitzt.PsalterkathismaAbschnitt aus dem Psalter (dem Buch der Psalmen). Der Psalter wird in 20 Gruppenvon Psalmen (Kathismata) zur fortlaufenden Lesung eingeteilt. Jedes Kathismabesteht aus 3 Stanzen. Jede Stanze (stasis) besteht aus meist zwei bis drei Psalmen (jenach deren Länge).EktenieBittgebet in Form einer Litanei, auch: SynaptieProkímenonIm Wechsel mit dem Diakon oder Lektor gesungener Psalmvers, ähnlich einemResponsorium breve der römischen Liturgie, leitet eine Lesung ein.Man unterscheidet:Gesänge, die bei jedem Gottesdienst gleich bleiben („Ordinarium“ der römischen Liturgie)Gesänge, die bei jedem Gottesdienst wechseln(„Proprium“ der römischen Liturgie).Zu den gleich bleibenden Gesängen gehören neben den Ektenien (Bittgebetlitaneien)beispielsweise das Trishagion (Gesang des Dreimalheilig vor der Lesung) und dasCherubikon (Gesang zur Gabenbereitung), sowie in der Fastenzeit der Kommuniongesangvon Psalm 33,8. Mit der römischen Messe hat die Ostkirche nur das Sanctus gemein. DasGloria wird in einer erweiterten Form im morgendlichen Stundengebet vorgetragen. DasCredo gehört zwar zur Liturgie (es folgt abweichend von der römischen Messe auf den Ritusder Gabenbereitung), wurde aber in der Mittel- und Spätbyzantinischen Periode nichtgesungen. Wechselnde Gesänge finden sich vor allem im Stundengebet.Liturgische GesangsbücherAb dem 10. Jh. gibt es hauptsächlich fünf Sammlungen:Heirmologionenthält die HeirmenSticherarionenthält die SticheraAsmatikonkonstantinopolitanisches Buch für ausgezierte Propriengesänge des ChoresPsaltikonkonstantinopolitanisches Buch für ausgezierte Propriengesänge des SolistenAkolouthiaiLiturgieordnungen; Anthologie um 1300, enthält Ordinariumsgesänge undElemente aus älteren Repertoiren.Die MelodienVon den östlichen Riten ist der griechisch-byzantinische Ritus der einzige, dessen vollesRepertoire an mittelalterlichen Gesängen in frühen Manuskripten mit einer Musiknotationüberliefert ist, die komplett und unzweideutig ist. Vor dem 9. Jh. ist uns keine Notationüberliefert. Ab dem späten 12. Jh. gibt es eine voll ausgebildete diastematische Notation, die einekorrekte Übertragung der Gesänge und auch Rückschlüsse auf frühere Perioden möglich macht.Von den erhaltenen 12.000 bis 15.000 Manuskripten enthalten etwa 1200 bis 1500Musiknotationen, also etwa 10 Prozent. Darüber hinaus enthalten zahlreiche ManuskripteBibeltexte, die Zeichen für gesungene Lesungen, so genannte ekphonetische Zeichen enthalten.Die liturgischen Melodien zeigen eine ähnliche Einheitlichkeit, wie diejenigen desGregorianischen Chorals in der Westkirche. Die Zentrum der Entstehung dieser Melodien lagzuerst in Antiochia, vom 6. bis zum 7. Jh. in Palästina, bevor es sich im 9. Jh. in den Raum umKonstantinopel, evt. auch auf den Berg Athos und nach Thessaloniki verlagerte und die anderenZentren zurückgedrängt wurden.System der acht Töne (Oktoechos)Das byzantinische Tonsystem ist wie das abendländische System des Mittelalters diatonisch6und existiert wenigstens seit dem 8. Jh. Es bildet das Gerüst für die byzantinischeKompositionspraxis und stammt vielleicht aus dem Nahen Osten.Das Oktoechossystem ist dem abendländischen kirchentonalen System verwandt. Beidebeziehen sich auf die finales (Endtöne) D E, F und G und haben dafür je zwei modi(Tonarten): einen melodisch höheren (authentischen) und tieferen (plagalen). Während aberim westlichen System je eine Tonart gleichsam in zwei Möglichkeiten aufgespalten wird,werden die byzantinischen modi unabhängig voneinander geordnet: zuerst die authentischen,dann die plagalen. Für jede Tonart gibt es charakteristische melodische Wendungen. Ebensogibt es für jeden Modus eine oder mehrere Varianten von einfachen Psalmtönen mitIntonation, Rezitationston und Kadenz.Achtwochenzyklus: Beginnend mit dem ersten Sonntag nach Ostern wird jede Woche durcheinen der acht Töne gekennzeichnet, auf welchen man an allen Tagen dieser Woche diejeweiligen wechselnden Gesänge vom Tag singt. Nach acht Wochen wiederholt sich derZyklus.FormelgesängeAllen Gesängen gemeinsam ist die Zentonisation (cento), d.h. das Aneinanderfügen vonverschiedenen immer wiederkehrenden Formeln. Diese erleichtern das Erlernen und Memorierender zahlreichen Gesänge. Aus dem 10. Jh. stammt der erste Katalog von Notationszeichen, diebestimmte Formeln von melismatischen Gruppen angeben. Um 1300 hat Joannes Koukouzeleszahlreiche Formeln in ein System von Merkmelodien für den Unterricht zusammengestellt.Bestimmte Formeln können an gewisse Gesangsgattungen geknüpft werden. So gibt esbestimmte Formeln für Gesänge im Asmatikon, andere aber für solche aus dem Psaltikon.MusiktheorieDie Musiktheorie ist im Wesentlichen praktisch ausgerichtet. Musiktheoretische Bücher enthaltenKataloge von Neumen und Melodieformeln. Das wichtigste Buch ist die papadike(Mönchsregel), die erstmals wahscheinlich im späten 13. Jh. zusammengestelllt (Berg Athos oderThessaloniki).NotationDie byzantinische Notation ist keine Tonhöhennotation oder graphische Notation wie unsere,sondern gehört eher in die Gattung der „Ziffernnotationen“. Sie gibt das Intervall nach oben oderunten von einer zur nächsten Note an. Deshalb darf beim Lesen kein Fehler unterlaufen, denn isteinmal eine Note falsch bestimmt, so werden logischerweise auch die folgenden Noten falschgelesen.Jeder Gesang beginnt mit der Angabe seines modus (Tonart) und des Tones am Beginn.Zu diesen Zeichen enthält die byzantische Notation eine Fülle Zeichen zur Angabe vonrhythmischen und dynamischen Nuancen.6 d.h. die Oktave wird in 5 Ganzton und 2 Halbtonschritte unterteilt, wie z.B. in der Dur- oder Mollskala.Ekphonetische Notation:Notation für biblische Lesungen, die im Gottesdienst gesungen werden.8./9. Jh. – 12./13. Jh.ekphonetisch = „ausrufend“.Die Bibeltexte enthalten am Beginn und am Ende jeder Textphrase ein Zeichen. Es handelt sichlediglich um eine Gedächtnisstütze, um gewisse Melodieformeln anzugeben. GenaueTranskriptionen lassen sich aus diesen Zeichen nicht erstellen.Notation von Melodien:Palaeo-byzantinische NotationChartres Notation (Berg Athos und Konstantinopel bis zum 11. Jh.)Abb.:   lCoislin Notation (aus Palestina, bis zum späten 12. Jh.)Mittelbyzantinische Notationentwickelt sich aus der Coislin Notation und enthält exakte Tonhöhenangaben. Nebenden rhythmischen Zeichen enthält die Notation weitere Zeichengruppen, die megalasemadia oder megalai hypostaseis, deren exakte Bedeutung jedoch unklar ist.nähere Informationen: Monumenta Musicae Byzantinae: Gesangsstile Syllabischer StilGesänge, bei denen auf jede Silbe nur ein Ton zu singen ist. Siesind vor allem für den Gesang der Gemeinde, bzw. Kommunitätgeeignet.Neumatischer StilÜber den Silben können zwei bis drei Noten stehen.Melismatischer StilUnter „Meslisma“ versteht man zahlreiche Noten, bzw. eineNotenkette über einer Silbe. Melismatische Gesänge sind daherkunstvoll ausgezierte Gesänge für geschulte Chöre.liturgische RezitativeDie Melodien der bekanntesten liturgischen Texte, also vor allem diejenigen, die bei allenGottesdiensten vorkommen, wurden nicht bzw. erst sehr spät aufgezeichnet, da man diemündliche Überlieferung für ausreichend hielt, so das Amen oder Alleluja, das das Trishagionoder Cherubikon begleitet.HymnenHymnen spielen in der byzantinischen Liturgie eine sehr große Rolle. Wir kennen über 60.000Inzipits verschiedener Hymnen. Es ist aber hierbei zu beachten, dass unter dem Begriff„Hymnus“ nicht nur Strophenlieder, sondern überhaupt alle freie Dichtungen in der Liturgieverstanden werden. Die einfachste ist das Troparion, deren Entstehung in das 4. Jahrhundertzurückreicht.Syllabische Hymnendichtungen:KontakionLanger metrischer Text auf eine poetisch-erzählende Dichtung auf biblischer Textgrundlage.Aufbau:Koukoulion oderProoimionEinleitungsstrophe von verschiedener Struktur und Metrum (vielleicht spätererZusatz)Oikoimetrisch gleiche Strophen (oft 20-30)oft verbunden mit einem Akrostichon , welches durch die Anfangsbuchstabengebildet wird und den Namen des Dichter-Komponisten (Melode), dieliturgische Bestimmung oder die Buchstaben des Alphabetes bezeichnet.Ephymnionabschließendem Refrain.Höhepunkt im 5. und 6. Jh.Wichtigster Vertreter: Romanus, der Melode (1. H. des 6. Jh.), ca. 85 WerkeDie Musik ist nicht überliefert, muss aber wegen der außergewöhnlichen Länge der Dichtungensyllabisch interpretiert worden sein. Die überlieferten melismatischen Versionen stammen auseiner späteren Zeit (siehe unten).KanonDer Kanon ist eine neunteilige poetische Dichtung, die aus Troparien besteht. Die Entstehung istfolgende: Im Morgenoffizium ist der Gesang der neun biblischen Cantica (Lobgesänge)vorgesehen. Es handelt sich um:1. Lobgesang des Mose nach dem Durchzug durch das Rote Meer Ex 15,1-192. Lobgesang des Mose vor seinem TodDtn 32,1-433. Lobgesang der Hannah1 Sam 2,1-104. Lobgesang des HabakukHab 3,2-195. Lobgesang des JesajaJes 26,9-196. Lobgesang des JonaJona 2,3-107. Lobgesang der Jünglinge im Feuerofen 1Dan 3,26-45, 52-568. Lobgesang der Jünglinge im Feuerofen 2Dan 3,57-88Page 129. Lobgesang der Gottesmutter „Magnificat“Lk 1,46-55und des Zacharias „Benedictus“Lk 1,68-79Jeder Gesang wird mit der kleinen Doxologie abgeschlossen7. Man begann, zwischen dieeinzelnen Verse der Cantica Troparien zu interkallieren (einzufügen), die den Vers kommentierenoder neu deuten konnten. Nach dem ersten Teil der kleinen Doxologie (Ehre sei dem Vater … )folgte ein Tropar auf die Dreifaltigkeit (Doxastikón), nach dem zweiten Teil (Wie im Anfang …)ein Tropar auf die Gottemutter Maria (Theotokíon).Durch Weglassen der biblischen Grundtexte blieben nur die Troparia erhalten, und es entstandeine neue abgeschlossene Dichtung, der Kanon mit neun Liedern (Oden), wobei die 2. Ode (wohlwegen ihrer Länge) mit Ausnahme der Fastenzeit meist wegfällt, sodass in der Regel ein Kanonaus acht Oden besteht. Alle Oden stehen im gleichen modus.Aufbau des Kanon:1. Ode(2. Ode)3. Ode4. Ode5. Ode6. Ode7. Ode8. Ode9. OdeAufbau einer Ode:HeirmosModellstrophe, Musterstrophe.TroparionAlle Strophen haben die gleiche MelodieTroparion.…Ehre sei dem Vater …DoxastikonWie im Anfang …Theotokion7 “Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist. – Wie im Anfang so auch jetzt und immerdar und indie Ewigkeiten der Ewigkeiten. Amen.”Jede Ode besteht in der Regel aus drei oder vier gleichgebauten Strophen mit gleicher Melodie.Die erste Strophe einer jeden Ode ist die Modellstrophe oder Heirmos. Die folgenden Strophenheißen Troparien. Nur selten – meist in der Einleitungsstrophe – zeigt sich noch eine inhaltlicheVerbindung zum ursprünglichen biblischen Canticum. Die inhaltliche Verbindung besteht durchden liturgischen Zusammenhang, etwa zu einem Fest oder zum Tagesthema der Liturgie(Evangelientext), sowie durch den im ganzen Kanon gleichen modus, gelegentlich auch durch einAkrostichon.Der Kanon verdrängt seit dem 7 Jh. immer mehr das Kondakion.Erste Hauptvertreter: Andreas von Kreta (ca. 660 – ca. 740). Sein großer Bußkanon hatinsgesamt 250 Strophen.Höhepunkt der Dichtkunst:8. Jh.: Johannes von Damaskus, Kosmas von Jerusalem9. Jh.: Theodoros Studites (Abt des Klosters Studion 759-826) und sein Bruder Joseph.Seit dem 8. od. 9. Jh. werden neue Texte an schon bestehende Melodien angeglichen.Die Produktion von neuen Kanontexten setzte sich bis ins 13. Jh. und darüber hinaus fort.Die klassischen Heirmoi im syllabischen Stil sind im Heirmologion gesammelt. Das ältesteerhaltene Buch stammt aus dem 10. Jh. Ein Heirmologion kann bis zu 2000 Modellstrophenenthalten, die allerdings aus einem begrenzten Repertoire von für jeden modus typischenmelodischen Formeln besteht. Insgesamt sind nicht sehr viele Exemplare überliefert.Sticherainterkallierte Verse zwischen die letzten Verse der Psalmen des Ordinariums zu Hesperinos undOrthros. Das Repertoire reicht bis ins 7. Jh. zurück.Besonders bekannt: Eothina des Kaisers Leo VI (886-912)Die Stichera sind in Sticherarien notiert. Es gibt hunderte von erhaltenen Sticherarien, die etwa2000 längere Hymnen überliefern, doch geht ihr Repertoire teilweise bis in das 7. Jh. zurück. Dermusikalische Stil entspricht dem der Heirmoi, doch sind Stichera in der Regel etwas mehrausgestaltet und mit verzierenden Melismen versehen.Melismatische HymnenHymnen im klassischen Stil:Notiert im Psaltikon (Sologesänge) und Asmatikon (Chorgesänge).Kondakienwurden im 8./9. Jh. auf Einleitungsstrophe und 1. Oikos reduziert.Als Zyklen überliefert. Besonders bekannt:Hymnos akkathistos: Berühmter alphabetischer8 Hymnus auf dieGottesmutter in 24 Strophen. Gesungen jährlich am Samstag vor dem 5.Fastensonntag.Hypakoë(Hypakoai); einstrophige Stücke9 im Psaltikon und Asmathikon.ProkeimenaSie werden vor einer Lesung solistisch vorgetragen10 und stehen imPsaltikon.AlleluiaDas Alleluia mit seinem Vers wird vor dem Evangelium gesungen. Ein alterZyklus dieser Verse hielt sich ebenfalls im Psaltikon.KoinonikaKoinonika sind Kommuniongesänge für einen speziellen Chor (psaltai) derHagia Sophia in Konstantinopel gedacht und stehen im Asmatikon.Hymnen im nachklassischen Stil:Kalophonie und PersonalstilSeit dem 12. Jh. entstehen neue Gesangsstile, die dem individuellen Geschmack größeren Raumgeben. Im späten 13. Jh. entsteht der neue Stil, die Kalophonie. Sie löst sich von denEinschränkungen der klassischen Formeln und fördert die vokale Entfaltung (ausgiebigeVerzierungen, Sequenzen, wiederholte Artikulationen auf einer Tonhöhe und weite Sprünge).Die Komponisten kreieren ihren eigenen Stil und signieren die Stücke mit ihrem Namen undtreten so aus ihrer Anonymität heraus.Kratematalange frei komponierte Melismen ohne Text auf sinnlose Silben, diezwischen Vesperpsalmen u. ä. interpoliert wurden, bis zu 10 MinutenAufführungsdauer in Anspruch nehmen und große sängerische Fähigkeitenverlangen.Sorgfältig notiert in neuen Gattungen von Büchern:kalophonisches Sticherarion, Heirmologion, Kontakarion und ähnliche melismatischeSammlungen.Berühmtester Vertreter: Joannes Koukouzeles (1. Hälfte des 14. Jh.)8 d.h.: Jede Strophe des Hymnus beginnt als Akrostichon mit einem fortlaufenden Buchstaben des Alphabetes.9 analog etwa zu den Responsorien der Westkirche.10 Sie entsprechen den Gradualia der römischen Liturgie.In seinen akolouthiai hat Koukouzeles erstmalig in einem Buch fast alle Gesänge verzeichnet,die für die Liturgie und das Offizium benötigt werdem.Nachbyzantinische ÄraZwar wurde die Notation der byzantinischen Zeit weiter beibehalten. Aber spätestens seit der Zeitvon Manuel Chrysaphes wurden Mikrotöne und Chromatismen verwendet. Der Einfluss der anden griechischen Kulturraum anschließende östlichen Nachbarn wurde in allen kulturellenBereichen stark spürbar. Dort, wo Griechenland unter abendländischer Herrschaft stand (Kretaunter den Venezianern, Ionische Inseln) wurden Gesänge nach den Regeln der europäischenHarmonielehre ausgesetzt.Im Jahre 1821 initiierte Chrysanthos von Madytos eine Reform der Notation. Die Notation wurdevereinfacht, die Tonarten wurden neu geordnet und gedruckte liturgische Bücher herausgegeben,welche in der Folge von allen griechischen Kirchen und Klöstern übernommen wurden.Die heutige byzantinische Musiktheorie teilt die Oktave in 68 Teile, wobei ein Ganzton 12, ein¾-Ton 9 und ein Halbton 7 Teile aufweist. Neben den 8 Tonarten gibt es noch den Legetos, eineAbart des IV. Tones.IsonEin lang ausgehaltener gleich bleibender Ton, der entweder mitgesummt wird, oder aufwelchem der Text parallel zur Melodie mitgesprochen wird. In der Regel ist es die Tonika,also der Grundton einer Tonleiter. Er wird heute noch in der Ostkirche verwendet underscheint Touristen, die in Griechenland einen Gottesdienst besuchen als besonders charakte-ristisch. Nachweisbar ist diese Begleitpraxis erst seit etwa 1400. Im 15. Jh. wurde das Isonallgemein praktiziert und 1584 von einem deutschen Reisenden namens Martin Crusiusbeschrieben. Zu einer Entwicklung einer unabhängigen Polyphonie wie im Westen hat diesallerdings nicht geführt. Nicht zu verwechseln ist dieser Begriff mit einer Neume, die eben-falls Ison genannt wird und anzeigt, dass der folgende Ton auf gleicher Höhe zu singen ist.Byzanz und die SlawenVor der Christianisierung der Slawen in der 2. Hälfte des 9. Jh. gibt es keine musikalischenQuellen. Der byzantinische Einfluss begann mit der Mission der Slawenapostel Cyrill undMethod in der Mitte des 9. Jh. Wahrscheinlich wurden schon damals alle liturgischen Bücher insKirchenslawische übertragen. Genaueres ist aber nicht bekannt.Im 11. Jh. übernahm die Kiewer Rus den byzantinischen Ritus mit seiner Musik. Eine ungeheureMenge von liturgischen Texten wurde übersetzt und die dazu gehörigen Melodien angepasst.Durch den Einfall der Mongolen (1240) wurde diese Tradition unterbrochen.NotationDie ältesten slawischen Neumen beruhen auf den nicht diastematischen byzantinischenNotationen. Die Diastematisierung erfolgt erst im 17. Jh. durch die Einführung vonZusatzzeichen.1. Periode: Kiever, Nowgoroder und Wladimiro-Suzdaler Rus (ca. 1000 – 1450)znamennyi raspevZnamen = Zeichen. Hauptgesangsart der altrussischenKirchenmusik.znamennyi-Notation / krjuki-NotationNotation des znamennyi raspev bis zum 15. Jh., abgeleitet von derCoislin Notation. Die Entschlüsselung der Notation ist bisher nichtvollständig gelungen.kondakarnyi raspev11. – 13. Jh. in 5 Kondakarien, entspricht dem byz. Psaltikon undAsmatikon.11Kondakariennotation. Notation des kondakarnyi raspev, abgeleitetvon der Chartres Notation. Auch die Entschlüsselung dieserNeumen ist bisher nur teilweise gelungen.2. Periode: Moskauer Rus (1450 – 1650)stolpovoj raspevStolp = Achtwochenzyklus der byzant. Gesänge. Erscheint v. a. inHandschriften aus dem letzten Drittel des 15. Jh., ist aber älter.Charakterisiert durch größere Sanglichkeit und ausgearbeitetemelodische Formeln.Stolp-Notation: mit der znamennyi-Notation verwandt.putevoj raspevPut = Weg. Größere Feierlichkeit u.a. durch ausgedehnteMelismatik.demestvennyi raspevDemetvo = Gesangsart des Chorleiters (demestnik). FeierlicherGesang mit rhythmischen Raffinessen.Entstehung von archaischer Mehrstimmigkeit.17. Jh. Revision der Gesangbücher unter den Patriarchen Filaret (1619-1633) und Iosif (1642-1652) nach altrussischen und griechischen Quellen; Kirchenreform unter Patriarch Nikon (1652-1666, † 1681). Einführung der westlichen Mehrstimmigkeit. In der Tat endet erst mit diesemZeitpunkt in Russland die Epoche der mittelalterlichen liturgischen Musik  benannt nach den Kondakiagesängen, enthält aber nicht nur diese, sondern auch andere melismatische Stücke.Byzanz und der WestenDer Westen übernahm von den Byzantinern die tonale Einteilung der Gesänge in 8 modi,authentisch und plagal, sowie die Art der Psalmodie mit Intonationsformeln und Kadenzenwahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 8. Jh. Zwischen dem 6. und 9. Jh. wurden auchMelodien übernommen, z.B. auf Geheiß von Karl dem Großen die Reihe der Antiphonen für dieOktav von Epiphanie.Literatur:Umfassende Einführungen in alle Themenbereiche der Musikwissenschaft finden sich in denbeiden Standardlexikas der Musikwissenschaft:The New Grove. Dictionary of Music and Musicians. Hg. von Stanley Sadie. 20 Bde.Macmillan Publishers Limited, London 1980. 2. Auflage 2001.Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite, neubearbeitete Ausgabe. Hg. von LudwigFinscher. 26 Bände. Sachteil in neun Bänden. Personenteil in siebzehn Bänden. Bärenreiter,Kassel usw. 1994 ff. (abgekürzt: MGG)Zu unserem Thema kommen u.a. folgende Artikel in Frage:Kenneth Levy / Christian Troelsgård, Byzantine chant. In: New Grove 2001, 4, 734-756.Dimitri Konomos, Greece II. Post-Byzantine to 1830. In: New Grove 1980, 10, 348-349.Christian Hannick, Byzantinische Musik. In: MGG Sachteil 2, Sp. 288-310.Ders., Altslawische Musik. In: MGG Sachteil 1, Sp. 510-521.Immer noch eine gute Einführung in die Geschichte der russischen Kirchenmusik bietet:Johann von Gardner, Gesang der russisch-orthodoxen Kirche bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts(= Schriften zur Geistesgeschichte des Östlichen Europa 15). Otto Harrassowitz, Wiesbaden1983. Bd. 2 1987 (= Bd. 17).Für das Studium der byzantinischen Liturgie eignen sich folgende Bände:- Liturgikon. “Messbuch der byzantinischen Kirche”. Hg. von Neophytos Edelby. Aurel Bongers,Recklinghausen 1967.- Mysterium der Anbetung. Göttliche Liturgie und Stundengebet der Orthodoxen Kirche. Hg. vonSergius Heitz. Luthe-Verlag, Köln 1986.- Liturgie. Die Göttliche Liturgie der Orthodoxen Kirche. Deutsch – Griechisch -Kirchenslawisch. Hg. von Anastasios Kallis. Matthias-Grünewald-Velag, Mainz 1989.Auf dem CD-Markt gibt es eine Fülle von Aufnahmen ostkirchlicher Musik, v. a. aus demBereich des mehrstimmigen slawisch-orthodoxen Kirchenmusikrepertoires. Einzelne Ausgabenhervorzuheben ist in diesem Rahmen nicht möglich. Man beachte aber, dass die Texte derBooklets gelegentlich die einzelnen Gesänge nur sehr oberflächlich und häufig mit falschenliturgischen Begriffen beschreiben.(Text Excerpt Courtesy by Stefan Engels)

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Ram51 is a researcher in the various fields of Musicology, Philosophy and History as well as old languages. One of his first topics is the wide scope of Indo-arabic cultures as represented in various art-forms religion and history. Below a list of selected Research topics which sum up partitionally the task of anthropological Frameworks in totaliter : Sanskrit Hinduism and Mythology Hindustani Music, The Muqhal Empire Gharanas from North India Kashmir Sufiyana The Kashmir Santoor Traditional Folk Music from USA Philosophy in Orient and Okzident Genealogy of musical instruments Ethnomusicology, Arabic Maqams, No Theatre fromJapan, North american poetry, Cultural heritage of mankind and Islamic architecture... View all posts by RAM Chandrakausika राम च 51

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